Der 40 Meter lange Hals des Baggers frisst sich in den Beton. Wie ein Riesen-Dino aus Metall sieht er aus. Er zerrt und zieht. Ein ohrenbetäubendes Knirschen, dann donnern die schweren Stufen in die Tiefe.
Seit gestern wird Erichs Reste-Rampe klein gemalmt. Die acht 32 Meter hohen Treppenhaus-Türme vom Palast der Republik, alles was noch übrig war, sollen in zwei Monaten platt sein.
Der Mann, der die letzten Säulen des Sozialismus wegbeißt, hat vor 25 Jahren genau dort in Mitte gestanden und die realexistierende Pracht bewundert.
Bagger-Fahrer Thomas Brandt (39) aus Stendal (Sachsen-Anhalt) war damals 14 und auf Klassenfahrt in Berlin, der Hauptstadt der DDR. „Für mich war der Palast der Republik das Wahrzeichen des Sozialismus schlechthin“, sagt er, „dieser riesige Saal und die auffällige Fassade –
einmalig!
“Wenn er jetzt mit seinem 110 Tonnen schweren Geschütz in die Betontürme knallt – was fühlt er da? Brandt lächelt, sagt: „Das ist für mich zwar kein Job wie jeder andere. Aber vor zwei oder drei Jahren, als vom Palast noch viel mehr stand, wäre es sicher schlimmer gewesen. Jetzt ist‘s doch nur noch ein Gerippe.“
Auf der Abriss-Stelle gegenüber vom Berliner Dom ist Brandt der Einzige, der den Ketten-Bagger „Long Front“ manövrieren kann: „Ich brauche drei bis vier Tage für jeden Turm, arbeite acht bis zehn Stunden am Tag.“ Sein Wohnwagen steht mitten auf der Baustelle. „Ich schlafe sehr gut im Zentrum der Ost-Berliner Geschichte“, sagt er.Und neben 12 000 Tonnen Schutt, die beim Plattmachen der Türme anfallen. Sie werden recycelt, als Schotter beim Straßenbau untergemischt.
Am Abend soll der Abrissbagger die Reste des letzten Treppenturms beseitigt haben. Dann ist „Erichs Lampenladen“ aus dem Stadtbild verschwunden, gut zwei Jahre nach Beginn der Abrissarbeiten.Das endgültige Aus für den asbestverseuchten Palast war eigentlich für die vergangene Woche geplant. Weil der Bagger kaputt ging, musste der Abbruch verschoben werden.So geht's weiter: Bis zum Februar wird das Kellerbecken zugeschüttet – 20 000 Kubikmeter Sand sind nötig.
Danach wird die Freifläche begrünt. Von 2010 an soll das alte Stadtschloss wieder aufgebaut werden – ein Projekt, das bei den Berlinern nach wie vor umstritten ist. 61 Prozent der Hauptstädter sind gegen den Wiederaufbau, hat die Zeitschrift „Super-Illu" herausgefunden. Nur jeder Dritte ist dafür..
http://www.bild.de/BILD/berlin/aktuell/2008/10/24/palast-der-republik/letzter-rest-wird-abgerissen.html##