28.01.2010 - 22:45 Uhr
Königs Wusterhausen (dpa) -
Weil der Schülerin zwei Euro für die Fahrkarte fehlten, hat eine Schaffnerin der Deutschen Bahn eine 16-Jährige bei eisiger Kälte in Brandenburg aus dem Zug
gewiesen.
Eine Schaffnerin der Deutschen Bahn verwies eine 16-jährige Schülerin aus einem Zug, weil ihr zwei Euro für die entsprechende Fahrkarte fehlten.
Das Mädchen wollte ein Ticket für 5,10 Euro lösen, die Schaffnerin verlangte aber 7,10 Euro - doch so viel Geld hatte die Schülerin nicht dabei, bestätigte ein Bahnsprecher am Donnerstag einen Bericht der «Märkischen Allgemeinen».
Die Zugbegleiterin ließ sich nicht erweichen und warf das Mädchen in der Nacht zum Mittwoch kurz vor 22.00 Uhr aus der Bahn. «Dieses Vorgehen ist völlig inakzeptabel», betonte der Sprecher. Das Mädchen musste in der laut Deutschem Wetterdienst bisher kältesten Nacht des Jahres - um Mitternacht herrschten in der Region minus 19 Grad - bei bereits geschlossenem Bahnhof rund eine Stunde ausharren, bis sie abgeholt werden konnte. «Wir haben keinen Anlass, an den Aussagen des Mädchens zu zweifeln, wir müssen aber noch die Kollegin hören», sagte der Bahnsprecher.
Sollte sich der Vorfall so bestätigen, drohen der Frau arbeitsrechtliche Konsequenzen. Bereits mehrfach hatten ähnliche Fälle in Deutschland für Empörung gesorgt. Daraufhin erklärte die Deutsche Bahn Ende 2008, ihre Zugbegleiter müssten sich künftig schriftlich dazu verpflichten, Minderjährige unter keinen Umständen aus Zügen zu verweisen. «Dies gilt nach wie vor», betonte der Bahnsprecher. Eine Minderjaehrige bei diesen Temperaturen, in der Nacht auf einem leeren Bahnsteig und geschlossenem Bahnshofsgebaeude auszusetzen ist veranwortungslos. Dann haette sie lieber die Polizei rufen sollen, die die 16-Jaehrige in Gewahrsam genommen haette bis sie von einem Erwachsenen abgeholt worden waere.
Von der unmenschlichen Handlungsweise der Schaffnerin abgesehen, ist es traurig, dass niemand in Zug bereit war der Schuelerin die fehlenden 2 Euro zu geben. Es ist ja nicht so, als ob sie "schwarzfahren" wollte....
"Die Zugbegleiterin bedauert den Vorfall", sagte der Bahnsprecher. Die Bahn werde sich bei der Familie entschuldigen und habe ein persönliches Treffen vorgeschlagen. Der Fahrgastverband Pro Bahn zeigte sich empört über das Verhalten der Schaffnerin.
"So geht das nicht", sagte Vorsitzender Karl-Peter Naumann der Deutschen Presse-Agentur dpa. "Hier ist Kulanz gefragt." Zumal das Mädchen zahlungswillig war. "Es geht um Menschlichkeit, aber auch ums Image der Bahn."
Die Bahn hatte Ende 2008 als Konsequenz aus mehreren Vorfällen ihre Mitarbeiter dazu verpflichtet, Minderjährige keinesfalls aus Zügen zu weisen. Doch wenig später durften damals drei Kinder wegen fehlender Tickets nicht weiterfahren. So musste eine 13-Jährige im brandenburgischen Wittstock einen Zug verlassen, weil sie weder Fahrkarte, Geld noch Handy für einen Anruf zu Hause dabei hatte.
Aus ähnlichen Gründen warf eine Schaffnerin in Mecklenburg-Vorpommern ein Mädchen aus dem Zug, das dann bei einbrechender Dunkelheit mit einem schweren Musikinstrument auf dem Rücken fünf Kilometer nach Hause laufen musste. "Es gab arbeitsrechtliche Konsequenzen", sagte der Bahnsprecher. Nach seinen Angaben werden die Mitarbeiter gezielt geschult, um solche Vorfälle zu verhindern. Pro-Bahn-Chef Naumann betonte indes, dass es immer eine Möglichkeit gebe, um den Fahrpreis nachträglich einzufordern, indem beispielsweise die Personalien erfasst werden. Ein solcher eiskalter Rauswurf wie nun erneut in Brandenburg ist jedenfalls keine Lösung.
http://de.news.yahoo.com/26/20100128/twl-schaffnerin-wirft-16-jhrige-in-eises-0af634d.html
Created on ... January 31, 2010